Anfang letztes Jahres, als ich in einer der hiesigen jüdischen Gemeinden noch das eine odere Projekt betreute, war ich ein paar Mal in einer achten Klasse zu Gast, die sich vorgenommen hatte, das Musical Anatevka (nach  Schalom Ajechems Tewje, der Milchiger) aufzuführen.

Die Schülerinnen und Schüler hatten sich dieses Musical selbst ausgesucht, waren begeistert von seinem Witz und zunehmend erschüttert von seiner Thematik,  hatten sich aber bisher kaum mit jüdischen Themen auseinandersetzt. Während die Schülerinnen und Schüler sich mit ihrer Lehrerin theoretisch in jüdische Geschichte und Bräuche einarbeiteten, stand ich ihnen zum einen für Fragen zur Verfügung (und es kamen viele und ausgesprochen gute Fragen) und versuchte zum anderen, ihnen jüdisches Leben jenseits einer nachträglich colorierten Stettl-Romantik näherzubringen. – Nicht zuletzt dadurch, dass ich sie alle in die Synagoge zu einem Schabbatgottesdienst und -kiddusch einlud.

Was als Abschluss der gemeinsamen Arbeit gedacht war, entpuppte sich schnell als eigentlicher Neueinsatz: Ich besuchte ein weiteres Mal die Klasse, um die Vielzahl an Fragen, die erst jetzt aufgetaucht waren, weniger zu beantworten als vielmehr zu diskutieren. Gerade die Frage nach der Bedeutung der Tradition wurde erst jetzt von den Schülerinnen und Schülern als überaus komplexe und nach wie vor gegenwärtige erkannt. Für Tewje ist bekannterweise allein die Tradition die Antwort auf die Frage ist: „And how do we keep our balance?“ 

Gerade dieses Lied sangen die Schülerinnen und Schüler in ihrer späteren Aufführung mit grosser Kraft und beeindruckendem Können.  Und dies, nachdem sie erlebt hatten, dass gegenwärtiges jüdisches Leben in seinem vielfältigen (und keineswegs immer ungebrochenen!) Bezug zur Tradition kein vergangenes Museumsartefakt ist.

Ein geradezu quicklebendiges jüdisches Museum ganz in der Nähe, das Jüdische Museum Hohenems, könnte einem jetzigen Schulprojekt zum Thema Judentum die Facetten jüdischer Tradition neuerdings auch akustisch näherbringen: Denn begleitend zur Wanderausstellung Ganz rein! (bis Oktober dieses Jahres in Hohenems) über die Mikwe, das jüdische Ritualbad, ist jetzt Das Logo vom ersten Jüdischen Webradio: Radio Mikwe, das Radioprogramm zur Sonderausstellung im Jüdischen Museum Hohenemsmit Radio Mikwe das erste deutschsprachige jüdische Webradio auf Sendung. Ein Besuch in Hohenems lohnt sich immer. Als Vor- oder Nachbereitung eignet sich aber gerade das immer lohnenswerte Web-Radioprogramm, dessen verschiedene Features sich hervorragend in den unterrichtlichen Kontext einbinden lassen könnten.  

– Hören Sie also  GANZ REIN!

Radio Mikwe ist täglich von 9.00 bis 20.00 Uhr auf Sendung.