Social-No.2-Web

Mai 29, 2010

Bei aller Betonung der „Selbstorganisiertheit des Lernens“ kommt dem Sozialen in unserer Lehrer-Ausbildung eine große, emphatisch beschworene Rolle zu, ob nun das kooperative Lernen, die kollektive Intelligenz, die unterrichtliche Partizipationskultur oder die Sozialkompetenzen an sich fokussiert werden. Auch wir  StudentenInnen selbst werden umfassend gewertschätzt, nicht-hierarchisch geduzt und wertschätzen und duzen in unserer von Vertrauen geprägten Lernatmosphäre offen und unbefangen zurück.

Gerade im IKT-Modul konfligieren die didaktisch-methodischen  und technisch-kulturpraktischen Konzepte dieses ‚Sozialen‘, geht es in unseren diversen Modulen und Leistungsnachweisen doch immer wieder darum, das didaktisch zu hebende Potential des Web 2.0 gerade in seiner sozialen Dimension zu erfassen. Wie  Hennig Schürig in seinem Blog  verdeutlichte, wird es ohnehin zunehmend von demjenigen des Social Web bzw. der Social Media ersetzt.

Im Rahmen unseres Seminars bloggen wir ja nicht einfach zum Selbstzweck. Genauso wenig erstellen wir aus bloßer Laune heraus Wikis oder praktizieren Social-Tagging. Vielmehr gehen wir davon aus, dass sich der multimediale Shift vom Konsumenten zum Prosumenten (Toffler 1980)  auch und gerade auf der ‚Sozial-Koordinate‘ unseres selbstredend schülerzentrierten/konstruktivistischen/handlungs-/kompetenzen-/produktionsorientierten und freilich durch und durch beziehungsdidaktischen Unterrichts abbilden wird. Und in der Folge positive Lerneffekte zeitigt.

Ein wenig peinlich war es deshalb schon, als kürzlich herauskam, dass ich alle meine 30 Pflicht-„Social“-Tags auf meinem PLE reflexartig für andere gesperrt hatte. Dummerweise erklärte ich auf Nachfrage auch noch, ich sei eben nicht so sozial. Der Kommentar, der daraufhin folgte, dass nämlich dann der Lehrerberuf womöglich nicht ganz der richtige für mich sei, war zumindest erwartbar.

Ich möchte hier gar nicht erwähnen, in was für tiefe Sinnkrisen mich dieser (wie auch immer berechtigte) Kommentar stürzte. Stattdessen möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, in welchem Sinn das sogenannte Social Web eigentlich überhaupt sozial ist. (Auch dieser zu unserer PH-Sozietät gehörende IKTMEMBERSBLOG hat sich schon diese Frage gestellt.) 

Die Medienwissenschaftlerin Isabell Otto, auf deren Dissertation ich in diesem Blog schon eingegangen bin, wies jedenfalls vor wenigen Tagen auf einer Berliner Tagung darauf hin, dass die emphatisch-utopische Vorstellung vom Social Web – ablesbar etwa in Behauptungen wie derjenigen vom Wikipedia-Gründer Wales, dass es um Menschen und nicht um Technik gehe – in mehrfacher Hinsicht zu kurz greife. (S. dazu auch: Dieselbe, Das Soziale des Social Web. Erkundungen in Wikipedia, in: Sprache und Literatur (SuL) 40/2 (2009). Themenheft: Akteur-Netzwerk-Theorie, herausgegeben von E. Linz, S. 44 -56).

Was Otto auf der Tagung mit Blick auf tierische Akteure im Netz aufzeigte, gilt auf der Grundlage von Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie für das Social Web allgemein: Dass nämlich erstens die in ihm vernetzten Kollektive keineswegs nur menschlicher (oder tierischer) Art sind, sondern auch Kamera, Hard- und Software dazugehören. Und dass zweitens diese Kollektive allererst durch die mediale Vernetzungs entstehen.

Das Soziale des Social Web ist nach Otto darum gerade nicht das, was Latour als das Soziale Nr. 1 bezeichnete und das gemeinhin als Gegenstandsbereich der Soziologie fungiert, wenn von der Gesellschaft, den sozialen Dimensionen oder Praktiken die Rede ist – und damit davon, wovon wir auch an der PH im Gestus emphatischer Selbstverpflichtung gern sprechen.  Laut Otto ist das Social Web vielmehr dem ‚Sozialen Nr. 2‘ angehörig, wozu Latour ausführte:

In this meaning (…) social does not designate a thing among other things like a black sheep among other white sheep, but a type of connection between things that are not themselves social. (Latour 2007, 5)

In diesem Sinn wäre sogar ein schwarzes IKT-Schaf  Teil eines „Social-No. 2-Web“, egal, wie sozial es selbst im Grunde auch wäre. – Was soll ich dazu noch sagen? Ich habe mich jedenfalls umgehend besser gefühlt .

 

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Mein Vater, ein begeisterter Hobby-Computerspieler und Freizeit- programmierer, hatte sie in den 80er Jahren alle:  Die verschiedenen Commodore 64-Versionen, Atari-Spielkonsolen, Sinclair-Bausätze und Geräte, deren Namen ich bis heute nicht weiß.  Dass mich vor allem meine männlichen Klassenkammeraden abgrundtief um das schier grenzlos erscheinende Computer-Spielen-Können beneideten, verstand ich als Kind allerdings nie so recht. Mir schien das eher auf einem großen Missverständnis zu beruhen. Denn sonderlich große Spielfreude stellte sich nie bei mir ein, wenn mich mein Vater mit der Stoppuhr in der Hand an die Tastatur heranwinkte, um nicht nur die Prozessgeschwindigkeit des Rechners, sondern immer wieder auch meine zu messen. Die von meinen Klassenkammeraden so begehrten Baller-Computerspiele, die mich mein Vater in souveräner Missachtung jedweder Altersbeschränkung eher spielen hieß als ließ, fand ich damals jedenfalls genauso schrecklich wie das später von meinem Vater programmierte Latein-Vokabel-Lern-Programm.

Denn um ein E-Learning-(Pflicht-)Programm handelte es sich ja so oder so, egal, ob ich die u-Deklination nicht beherrschte, oder mal wieder nicht die Welt vor feindlichen Invasoren aus dem All gerettet hatte.

Den meisten Schülerinnen und Schülern – und wohlgemerkt auch den meisten Pädagogen – mag das  heute durchaus anders erscheinen: Computerspiele gelten meist als das, was die Jugendlichen außerhalb der Schule (und zum Leidwesen vieler Lehrer und Eltern: auch außerhalb eines pädagogisierten Lernzuwachses) mit dem Computer anstellen. Darüber, ob dieses Spielen (vermeintlich) jenseits eines erzieherischen Zugriffs potentiell gewaltfördernd ist oder nicht, scheiden sich seit Jahren die Geister (s. meinen nächsten Blog-Eintrag). Und selbst diejenigen, die darauf drängen, Computerspiele verstärkt in der Schule einzusetzen, gehen davon aus, dass erst eine didaktische Auswahl bzw. Vor- und Bearbeitung getroffen werden muss, um in der Schule Computerspiele sinnvoll einzusetzen

Einen gänzlich anderen Blick auf das Lernpotential von Computerspielen warf allerdings der Medienwissenschaftler Claus Pias in seiner 2002 publizierten Dissertation Computer Spiel WeltenWie er hier (und in einem dreiseitigen Artikel Computerspiele) darlegt, unterscheidet er die verschiedenen Lernqualitäten der Spiele anhand einer Unterteilung in

  • zeitkritische Actionspiele: „Sie fordern schnelle Eingabe und pünktliche Reaktion des Spielers (…) und konstituieren ein Subjekt der Handlung in der Zeitdimension.“
  • entscheidungskritische Adventurespiele: „Sie fordern richtige Entscheidung des Spielers in einer logischen und zugleich erzählerischen Strukur (…) und konstituieren ein Subjekt der Suche in der Sachdimension.“ und
  • konfigurationskritische Strategiespiele: „Sie fordern die umsichtige Regulation mehrerer, von einander abhängiger Werte (…) und konstituieren ein Subjekt des Wunsches in der Sozialdimension.“      

Auf die Frage, was für ein Spiel er seinem Kind zu Weihnachten schenken würde, antworte Pias so in einem Interview:

„Selbst bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften und ihren Empfehlungen für „hochwertige Software“ finden Sie keine geeigneten Kriterien, um im Spiel selbst (und nicht seinem Interface) irgendwelche pädagogischen Entscheidungen treffen zu können. Feinmotorik, Reaktionsvermögen, Konzentration, Problemlösen, logisches Denken, Motivation und Einübung des Umgangs mit Computern – all diese Fähigkeiten, die dort als pädagogisch wertvoll aufgelistet sind, kann man auch an den „bösesten“ Interfaces herausbilden. Die Frage, was man seinen Kindern reinen Herzens schenken kann, geht also eher dahin, ob man schnell reagierende Kinder trainieren möchte oder solche die sich auch durch komplizierteste Verwaltungsakte nicht aus der Ruhe bringen lassen werden.“

Und auf die Frage, ob eine Favorisierung des Interface– und Interaktionsdesigns nicht auf eine ästhetische Bewertung des Ethischen hinauslaufe, bemerkte er nach einem kurzen, sehr klugen Exkurs zu Jean Baudrillards Simulationstheorie:

„Historisch sollte man nicht vergessen, daß gerade die Simulationsspiele direkt aus dem „operations research“ und der mathematischen Spieltheorie kommen und bloß von deren realweltlichen Folgen abgekoppelt wurden. Das sind Theorien, denen der Gegenstand ihrer Optimierungen erst einmal gleichgültig ist und die kühl von „Menschenmaterial“ sprechen können oder rücksichtslosen Egoismus voraussetzen. In diesem Sinne ist auch Verwaltung neutral gegen das Verwaltete, das sie in Form abrechenbarer Einheiten selbst erst erzeugt. (…) Systematisch ist es daher keinesfalls unpolitisch oder bloß ästhetisch zu fragen, welche Handlungs- oder Subversionsoptionen ein System bereithält, welche Aussagen es ermöglicht und verunmöglicht usw. (…) Produktiv irritiert hat mich zuletzt auch der Satz eines Technikhistorikers, der mir nach einem Vortrag über den Pflichtbegriff in Computerspielen sagte, daß man auf diesem Weg nahtlos an Hannah Ahrends Analyse des Faschismus anschließen könnte. Vielleicht ist also die Frage nach einem Repräsentationszusammenhang zwischen „Spiel“ und „Wirklichkeit“ gar nicht die entscheidende.“

Mein Vater, so viel sei hier vermerkt, hat im Laufe seines Lebens, das er als staatenloser Flüchtling in der Schweiz beendete, zwei menschenverachtende Verwaltungs-apparate überlebt. Und auch wenn er mir zu Trainingszwecken das Entsetzen nicht ersparte, die Welt am Computer ein ums andere Mal gerade wegen meiner mangelnden Reaktionsfähigkeit untergehen zu sehen, gehörte sein altes Physiker-Herz neben den Computerspielen auch noch einer anderen Erfindung: Der Tesafilmrolle, mit der er all die zerbrochene Materie des Alltags zu reparieren vermochte. Mit Tesa, davon war ich als Kind überzeugt, würde er eines Tages, wenn es wirklich nötig werden würde, die ganze Welt zusammenhalten können.  

Allmählich ebbt die im Umfeld der re:publica 2010 entstandene Debatte über den Stellenwert des literarischen Schreibens und der Literatur im Netz ab. Auch ihre Halbwertszeit scheint gekommen, so wie auch die vor zwei Jahren im Bereich der Filmkritik geführte Online-/Printmedien-Diskussion irgendwann abflaute.

Über Tage war allerdings viel von Thomas Hettches in der FAZ veröffentlichtem Artikel, mit dem die Debatte ihren Anfang nahm, und Alban Nicolai Herbsts im Freitag publizierte Gegenstellungnahme zu lesen. Beide Texte wurden gerade in Blogs zitiert, kommentiert und mal zustimmend, mal ablehnend weiter-, aber auch neugeschrieben und -gefaßt

Dabei bestritt Hettche in seinem Artikel keineswegs per se die Möglichkeit literarischen Schreibens im Netz. -Zwei printmedien-gedruckte Beispiele dafür sind nicht zuletzt Hettches eigenes Buch Null oder der vom turmsegler-Blogger und Leinwand-Autor Benjamin Stein herausgegebene Band Literarische Weblogs. – Vielmehr hinterfragte Hettche  im Nachdenken über ‚das (Nicht-)Wesen‘ der Literatur dessen Bedeutung. (Wobei er freilich selbst nicht nur pointiert-polemische Fragen, sondern auch einige solcher Antworten parat hatte).

Gerade angesichts dieses meines selbstgewählten-Pflicht-Ikt-Lernblogs (s. meinen Artikel: Das Portfolio und mein unternehmisches Selbst), der in vorgegebenen Taktungen zu verfassen und zu publizieren ist,  würde ich aber tatsächlich gern nach der Möglichkeit des Nicht-Schreiben-Könnens im Netz fragen. 

Denn dass das Netz den einen als der postmoderne ubiquitäre Nicht-Ort des Schreibens erscheint, ist das eine. Das andere aber, welche Rolle denn das Nicht-Schreiben im (Selbst-)Verständnis des Web 2.0 inne hat, sollen doch in ihm aus den früheren Netz-‚Konsumenten‘ immer schon die ‚Prosumenten‘ geworden sein. (Zu diesem Begriff und seinem Hintergrund des Optimierungsversuchs der „herkömmlichen Wertschöpfungskette“ im „Übergang zur industriellen Massenproduktion“ s. Axel Bruns Artikel Vom Prosument zum Produtzer).  

Was das literarische Nicht-Schreiben-Können betrifft, führte der schweizerische Schriftsteller Peter Bichsel in seinem Abschiedsbrief anläßlich des viel zu frühen Todes der atemberaubend virtuosen Autorin Aglaja Verteranyi jedenfalls aus, dass das Schreiben gerade „mit dem Nicht-Schreiben-Können – auf der Suche nach dem Irgendetwas“ zu tun habe.

Ich würde jedenfalls auch als IKT-Studentin gerne mehr im Netz suchen und nicht-schreiben-können können. Und mehr Zeit haben für dieses Nicht-Schreiben, das auch offline weitersucht. Was gleichermaßen für das Lernen gilt. Auch das wird ja entgegen eines weitverbreiteten Missverständnisses nicht per se im Produzieren kreativ.     

 

Vom Netz zur Wolke

April 27, 2010

In seinem Aufsatz Ein absoluter Begriff: Zur Genealogie und Karriere des Netzwerkbegriffs   geht der Medien- und Kulturwissenschafter Erhard Schüttpelz der historischen makrotechnologischen, mikrosoziologischen und theoretischen Verflechtung des Netzwerkbegriffes nach und zeigt auf, wie er, vom Objekt- in einen Subjektstatus erhoben, zu einem der wirkmächtigsten „absoluten Begriffe“ unserer Zeit wurde, der gleichermaßen Gesellschafts- und Welttheorie (z.B. Akteur-Network-Theorie) wie auch alltägliche An- und Aussprüche („ich bin im Netz“) in größter Absolutheit zum Anschrieb bringt. 

Dabei hebt Schüttpelz hervor, dass der Sieg des absoluten Begriffs „Netzwerk“ einhergeht mit einer zunehmenden Blindheit seiner eigenen (brisanten) Herkunft gegenüber:

Die betreffende Blindheit läßt sich insbesondere in der Vorstellung vom All des Alles zusammenfassen: „alles ist mit allem vernetzt“. Der Punkt aller Netzwerkforschungen des 20. Jahrhunderts bestand darin, dass niemals „alles mit allem“ vernetzt war, dass es ausschließlich um um Beziehungen der Hierarchie und der Exklusivität ging (…). Nicht das Netz selbst, aber eine bestimmte Vorstellung vom Netz – in den drei dominanten Gebrauchsweisen: topologisches Netz, Mythos vom Internet, institutionalisiertes „networking“ – scheint den früheren Fokus aller Netzwerkforschungen: Hierarchie und Exklusivität zu überblenden – als ginge es im „Netzwerk“ nur noch um eine prinzipiell unbegrenzte und möglichst symmetrische Kraft der Integration. (Schüttpelz 2007, S. 17)

Dass der Begriff des „Netzwerks“ diese zeitweilige Über-/Blendung aber dennoch überstehen wird, liegt nach Schüttpelz gerade in dem, woraus er sich speist: aus seiner Metapher. Die Wahrheit über das Netzwerk bleibe nämlich das Artefakt „Netz“ und dessen Geschichte, wozu Schüttpelz ausführt:                                            

  1. Netze  sind keine menschlichen Erfindungen (Menschliche Netze bleiben Artefakte, die vermutlich zuerst tierischen Netzen abgeschaut wurden).
  2. Ein Netz ist eine Form der Falle, genauer: eine Serie von Kulturtechniken, aus den Techniken des Fallenstellens.
  3. Der Ausgang des Wortes, seiner Metapher und seines Begriffs bleibt „Beutemachen“ einerseits, und „Macht“ über das, was sich im Netz verfangen soll, andererseits.  
  4. Alle menschlichen und soziotechnischen Netze und ihre Praktiker bleiben auf „Beutezug“ (auch und gerade „im Netz“).
  5. (…)
  6. Eine Netzwerktheorie ist meist ein Netz, das andere Netze fangen soll – oder die Beute anderer Netze dazu. Netzwerktheoretiker sind Fallensteller von Fallensteller. (….) (ebenda).

Folgt man aber dieser von Schüttpelz für den Begriff des Netzswerkes  aufgemachten Logik, drängen sich einem eine Vielzahl von Fragen an einen weiteren, zunehmend wirkmächtigen Begriff auf, der womöglich denjenigen des Netzes eines Tages ersetzen wird: Denjenigen der „Wolke“ nämlich. 

Denn so, wie Schüttpelz 2007 davon ausging, dass zukünftige Erforscher der Zeit von 1990 bis 2010 feststellen werden, dass wir vom Begriff des „Netzwerks“ besessen waren, scheint nun die Zeit der Wolke gekommen zu sein, jenes ebenfalls nicht genuin menschlichen Unschärfephänomens, in dem wir uns neuerdings aufhalten, wenn wir ‚in der Wolke‘  schreiben,  Bücher lesen und vor allem: „rechnen“:  

Im Gegensatz zum Grid-Computing, das schon seiner eigenen Methapher nach dem „Netz“ und „Gitter“ verpflichtet bleibt, geht es nach Wikipedia beim Cloud-Copmputing   gerade nicht um die steuerungslose gemeinschaftliche Nutzung gemeinsamer Ressourcen, sondern darum, die Dienstleistung eines zentralen Anbieters on demand ‚im Netz‘ zu nutzen. Die Anwendungen und Daten befinden sich dabei nicht mehr auf dem haus- oder firmeneigenen Rechner, sondern in der metaphorischen „Wolke“ des Internets. 

So wie der Sieg des absoluten Begriffs des „Netzwerks“ aber nach Schüttpelz zu einer Blindheit und Überblendung seines eigenen Ursprungs führte, verleugnet der Begriff der „Wolke“ in diesem Fall seine eigene Herkunft des steuerungslosen und eben nicht zentralen Unschärfephänomens. Nicht zuletzt im Zuge der diversen Schwarmtheorien (s. hierfür z.B. den von Eva Horn und Lucas Gisi herausgegebenen Sammelband Schwärme) wurde die Wolke aber gerade für avancierte Kollektiv- und Steuerungsforschung  immer interessanter. 

Konfrontiert uns die Wolke auf der einen Seite mit den Darstellungsschwierigkeiten der Unschärfe, wird auf der anderen Seite im Cloud Computing – und damit gerade im Modus der Dienstleistung – Identität (der Anbieter, Inhalte, aber gegebenenfalls auch der Nutzer) neu ge- und erfaßt – und zwar gerade im Zug einer (ausgelagerten)Zentralisierung. 

Über den Konnex von „Identität“ als Prozess und dem Phänomen der „Wolken“ machte der Medien- und Kulturwissenschaftler Joseph Vogl aber folgende Stellungnahme: