PowerPoint. Das Spiel mit Kraftpunkten im Unterricht

Juni 8, 2010

Spätestens mit der Lektüre des Sammelbandes PowerPoint. Macht und Einfluss eines Präsentationsprogramms (Coy und Pias 2009) wird einem klar, dass sich mit einer Geschichte der verschiedenen Präsentationsmedien  und -methoden auch diejenige der Didaktik schreiben ließe:

Von der Lectio als Vorlesung des Geschriebenen über die um 1770 vom österreichischen Pädagogen Johann Ignaz Felbiger eingeführte Schultafel zum Einsatz des Episkops, der Diaprojektion und des Overhead- bzw. Hellraumprojektors bis hin zur heutigen PowerPoint-Präsentation änderten sich dabei nicht nur in technischer Hinsicht die Lehrmethoden, sondern auch und gerade deren didaktischen Prämissen und Zielsetzungen.

Welche Schlüsse sich angesichts der auch im Schulunterricht immer tragenderen Rolle der PowerPoint-Präsentationen ziehen lassen, ist aber zumindest umstritten. Denn während beispielsweise Edward Tufte in seinem berühmt-berüchtigten Wired-Artikel PowerPoint is Evil. Power Corrupts. PowerPoint Corrupts Absolutly den schematisch-hierarchischen „cognitive style“ von PowerPoint (und anderen vergleichbaren Programmen) anprangerte und in der Folge auch die deutschen Feuilletons (z.B. der Frankfurter Rundschau und der ZEIT) davon ausgingen, dass mit PowerPoint der „geistig-kulturelle Untergang nicht nur Deutschlands, sondern des gesamten Abendlandes“ implementiert werde (Joffe 2007), betonten Matthias Mertens und Claus Leggewie, dass man zum einen nicht den Boten für eine schlechte Nachricht verantwortlich machen könne und zum anderen gerade diejenigen Kritiker, die davon ausgingen, dass PowerPoint ein verdummendes Werkzeug sei, im Modus eines Technikdeterminismus den Nutzer zu einer „einer(r) willenlose(n) Maschine“ machen würden. Und Jörg Pflüger warf im oben genannten Sammelband gar die Frage auf, ob man angesichts der „Myriaden von täglich gehaltenen PowerPoint-Präsentation“ nicht vielmehr von der „größte(n) und egalitärste(n) Wiederbelebung der antiken Redesituation“ sprechen könne. 

Welches Grauen man jedenfalls mit PowerPoint verbreiten kann, ließe sich mit SchülerInnen mit folgendem Sketch von Don McMillan thematisieren, dessen Titel Life after Death by PowerPoint treffender nicht hätte gewählt werden können:

Auch die Frage, welche Inhalte sich überhaupt mit Bullets darstellen lassen, welche Rolle der Darstellung beim Präsentieren zukommt und wie deren Nachbereitung aussehen könnte, sollten neben technischen Aspekten im Schulunterricht zur Sprache kommen. Und nicht zuletzt könnte auch ein Hinweis auf ein subversiv-kreatives Umgehen mit PowerPoint gegeben werden, dessen Erfinder die Berliner Zentrale Intelligenz Agentur ist: nämlich PowerPoint-Karaoke, bei dem das Publikum zu ihm unbekannten PowerPoint-Präsentationen Stegreif-Vorträge zu halten hat.

Spätestens hier werden die inhaltlichen und formalen Grenzen dieser Präsentationsform sichtbar. Aber auch: Der Spaß am überschreitenden Spiel mit ihnen. Wie so eine Veranstaltung aussehen könnte, ist hier am Beispiel des Literatur-Cafés der PH Ludwigsburg ersichtlich:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: